Zur aktuellen Situation ehemaliges Polizeipräsidium Königstor
Kassel, den 9. März 2026
Irritiert sind wir über die dieser Tage bekannt gewordene Entscheidung bezüglich des Neubaus von Studierendenwohnungen an der Torwache und der damit verbundenen Absage an den Standort Polizeipräsidium. Wir hatten diese Idee für die zukünftige Nutzung des Baus von Minister Timon Gremmels aufgegriffen und planerisch geprüft und konkretisiert. Wir waren dazu auch beratend mit dem Studierendenwerk Kassel im Austausch. Ein größerer Teil des Gebäudes ist für Studierendenwohnen sehr gut geeignet, was sich auch gut mit einem Lern- und Gedenkort verbinden ließe und bei Bedarf auch mit einer Kita. Trotz unserer Kenntnisse zum Gebäude und unserem Engagement für die Konzeption einer zukünftigen Nutzung wurden wir leider in den Entscheidungsprozess nicht einbezogen, nicht einmal über diesen informiert. Eine von uns angeregte Arbeitsgruppe zu dem historischen Ort mit allen tangierten Akteuren wurde bisher leider nicht gebildet.
Wir bitten das Land Hessen sich zu verpflichten, das Gebäude in öffentlicher Hand zu erhalten statt es zu Privatisieren. Zudem bitten wir das Land, einen kontinuierlichen Dialog mit der Stadt Kassel, unserer Initiative und allen weiteren relevanten Akteuren zur Zukunft des Baus zu beginnen.
Wir verstehen, dass in Zeiten angespannter Kassen wirtschaftliche Fragen wichtig sind. Doch bislang ist nicht bekannt, wie groß die Mehrkosten für den Standort Polizeipräsidium wären, und ob die Möglichkeit der Einwerbung von Fördermittel inkl. Förderkulissen hinreichend geprüft worden ist.
Mit der getroffenen Entscheidung ist die Zukunft für des ehemaligen Polizeipräsidiums wieder völlig offen. Obam Ende der jetzige Beschluss für einen reinen Neubau dieser Studierendenwohnungen der öffentlichen Hand Geld spart, ist unklar, weil dieser Beschluss keine Antwort auf die Zukunft des Gebäudes im Königstor gibt. Für dieses gibt es eine geschichtspolitische wie denkmalpflegerische Verantwortung der öffentlichen Hand, die in einem angemessenen Rahmen auch Mehrkosten legitimiert. Zudem ist es in Zeiten des Klimawandels fragwürdig, einen Neubau zu errichten, wenn ein dafür geeigneter leerstehender Bestandsbau zur Verfügung steht. Für eine tragfähige Perspektive für das ehemalige Polizeipräsidium benötigt es mehr Engagement von Seiten des Landes und der Stadt Kassel, eine Bereitschaft zum Dialog und der Zusammenarbeit mit Dritten – u.a. auch unserer Initiative.
Wir sind dankbar für die finanziellen Hilfen, die wir bereits von Stadt und Land erhalten haben. Wir sind auch dankbar für die Willensbekundungen der Stadtverordnetenversammlung Kassel vom November 2025. Besonders erfreut hat uns die Schirmherrschaft und aktive Mitwirkung von Timon Gremmels für eines unserer Projekte. In diesem Sinne sind wir guter Hoffnung, dass wir in Zukunft die Zusammenarbeit verbessern und vertiefen können.
Uns ermutigt der öffentliche Zuspruch, den wir erfahren, wie durch die anwachsende Mitgliederschaft unserer Initiative und die Resonanz auf unser Angebot öffentlicher Führungen. Im letzten halben Jahr haben wir über 20 Führungen angeboten, die jeweils schon nach wenigen Stunden über Monate im Voraus ausverkauft waren. Dies zeigt nicht nur das öffentliche Interesse. An den Führungen nehmen oft auch Zeitzeugen und Angehörige von Verfolgten Teil, welche unsere Kenntnisse um die Geschichte des Ortes und den mit diesem verbundenen Schicksalen erweitert. Bemerkenswert ist auch das Interesse von heutigen sowie ehemaligen Polizistinnen und Polizisten. Mehrere Schulen haben mit uns Rundgänge und Workshops zum Thema politischer Gewalt durchgeführt sowie vereinbart. Und die Volkshochschule Kassel arbeitet mit uns bei der Erwachsenenbildung zusammen
Philipp Oswalt, Conny Weckmann, Klaus Brocke, Ulrich Schneider, Anne Sperl